aktuelle SKOS Richtlinien

Auch im Jahr 2025 war die SKOS ein unverzichtbarer Partner der Politik

Erfreulich, dass im Jahr 2025 die Sozialhilfequote in der Schweiz tief blieb. In erster Linie hat dies mit dem Arbeitsmarkt zu tun, der nach wie vor sowohl auf Fach- wie auch Arbeitskräfte angewiesen ist. Mitbeteiligt sind neben anderen aber auch die Sozialdienste, welche offensichtlich gute Arbeit beim Zusammenführen von Angebot und Nachfrage geleistet haben. Das tönt sehr technisch – konkret geht es aber in jedem einzelnen Fall um die Befindlichkeit, ja um das Schicksal eines Menschen. Wenn mit Hilfe des Sozialdienstes der Gemeinde oder des Kantons der Weg in den ersten Arbeitsmarkt gelingt, bedeutet dies die Aufhebung einer Abhängigkeit und schafft Perspektiven.

Solche Erfolgserlebnisse bedingen neben der idealen Betreuung durch den Sozialdienst aber auch Firmen, die Bereitschaft zeigen, Menschen in ihre Belegschaft zu integrieren. Es gibt sie, diese Unternehmen, welche vorurteilsfrei und aus sozialer Verantwortung den Weg aus der Sozialhilfe ermöglichen. Ihnen gebührt Dank.

Zusammen mit dem Geschäftsführer konnte ich ein gutes Gespräch mit der Spitze des Arbeitgeberverbands führen. Dort sieht man die Vorteile für die betroffenen Person, für die Firma und für die Gesellschaft, wenn es gelingt, Menschen aus der Sozialhilfeabhängigkeit heraus zu führen und ist bereit, die Mitglieder entsprechend zu motivieren. Es wird eine Daueraufgabe der SKOS sein, mit diesen Partnern im Dialog zu bleiben.

Viel Raum wollten wir der Revision der Richtlinien geben. Im mehreren Schritten haben die Geschäftsleitung und der Vorstand Stellung genommen zu den ausgezeichneten Arbeiten der Richtlinien-Kommission. Diese Aufgabe erfordert eine sorgfältige Beobachtung des Funktionierens, das Erkennen von Schwachstellen, das Einschätzen der Akzeptanz von Anpassungen, exakte Formulierungen und Durchsetzungsvermögen gegenüber den Entscheidungsbefugten internen Gremien und letztlich der Kantonalen Konferenz der Sozialdirektorinnen und -direktoren SODK. Wenn die Revision der Richtlinien einmal mehr als gelungen bezeichnet werden kann, hat das sehr viel mit der hervorragenden Leitung der Richtlinien-Kommission durch Vizepräsidentin Claudia Hänzi zu tun.

Unsere traditionelle Bieler Tagung darf als Trendsetter und Taktgeber bezeichnet werden. Vor zwei Jahren bearbeiteten wir das Thema Kinder und Jugendliche in der Sozialhilfe. Daraus hat sich eine wirkungsvolle Zusammenarbeit mit der Kantonalen Konferenz der Sozialdirektorinnen und -Direktoren entwickelt, welche bereits früher dieses wichtige Thema an uns herangetragen hatte. Zwei Jahre später zeichnet sich die konkrete Umsetzung ab; Kinder und Jugendliche werden bessergestellt. Näheres dazu findet sich in dieser Ausgabe. 

Auch das Thema «Wohnen in Prekarität – Herausforderungen und Perspektiven» erfordert eine Weiterbearbeitung. Hier ist es allerdings schwierig, weil die Anzahl derer, die zum Erfolg beitragen müssen, gross ist und die Kantone nur begrenzt Einfluss nehmen können auf die Verfügbarkeit von Wohnungen für Menschen in der Sozialhilfe. Eine ideale Lösung gibt es nicht, gerade deshalb ist es wichtig, dass auch die SKOS mahnend in Erscheinung tritt.

Auch defensives Verhalten ist ab und zu nötig: In einem Interview mit der NZZ äusserte sich ein ehemaliger Sozialarbeiter aus Anlass der Richtlinien-Revision kritisch gegenüber der SKOS und formulierte sehr restriktive Thesen, wie die Unterstützung von Personen in materiellen Notlagen zu gestalten sei. Die FDP Schweiz - initiiert durch das Interview – reichte einen Vernehmlassungstext zur Richtlinien-Revision ein, in welchem die Inputs aus dem Zeitungsbericht erkennbar waren. Ich bat daher den Parteipräsidenten um ein Gespräch. Zusammen mit Markus Kaufmann konnten wir in einem Interview unsere Position einbringen. Es ging dabei nicht um die Korrektur des Textes der FDP, sondern um Sachlichkeit.

Für unsere Jahresversammlung im Juni genossen wir Gastrecht im schönen Stans. Zum 120-jährigen Bestehen der SKOS waren die früheren Präsidentinnen und Präsidenten sowie Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer eingeladen. Sie konnten sich so ein Bild machen, dass die Grundaufgabe gleich blieb wie zu ihrer Zeit, die Mittel und Wege aber, die Ziele zu erreichen sich doch da und dort geändert haben. Es war eine grosse Freude, die Persönlichkeiten begrüssen zu dürfen, welche in der Vergangenheit die Grundlagen gelegt haben für das heute so gute Funktionieren. Dafür durfte ich ihnen auch herzlich danken.

Vor Weihnachten haben wir die traurige Nachricht erhalten, dass Andrea Lübberstedt nach langer Krankheit gestorben ist. Andrea hat in den letzten Jahren die Sozialhilfe und die SKOS wie kaum eine andere geprägt. Sie wurde  2012 Mitglied unseres Vorstandes, zuerst als Vertreterin des Kantons St. Gallen, ab 2018 als Vertreterin des Kantons Zürich. Ab 2018 war sie auch Mitglied der Geschäftsleitung bis zu ihrem krankheitsbedingten Rücktritt in diesem Herbst. Andrea hat sich in diesen Jahren mit ihrem enormen Engagement, ihrem strategischen Denken und ihrer grossen Menschlichkeit eingebracht. Wir erinnern uns an viele Treffen und Sitzungen, in welcher sie mit ihren Voten den entscheidenden Unterschied gemacht hat. Insbesondere die Unterstützung von Kindern und Familien war für sie wichtig. Sie hat sich auf allen Ebenen für sie eingesetzt und im Mai 2025 bei ihrer letzten SODK-Tagung, bei der sie dabei sein konnte, für den Kinderzuschlag plädiert, der soeben die Vernehmlassung durchlaufen hat. Wichtig war für sie auch der Schutz der Frauen. Sie setzte sich für eine konsequente Umsetzung der Istanbul-Charta ein. Die Einführung einer schweizweiten Notfallnummer 142 ist sicherlich auch ihr Verdienst. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch ihr Engagement für behinderte Menschen. Wir verlieren mit Andrea eine grosse Kämpferin für die Schwächeren in unserer Gesellschaft, eine sozialpolitische Vordenkerin und eine liebenswerte Kollegin. Sie wird uns sehr fehlen.

Die Geschäftsstelle mit Markus Kaufmann an der Spitze hat ausgezeichnete Arbeit geleistet. Aus dem Kreis der Mitglieder wird mir das bei meinen Besuchen von Sozialkonferenzen oder -diensten in den Kantonen immer wieder bestätigt. Danken möchte ich auch den Mitgliedern der Geschäftsleitung und des Vorstands, welche das Fachwissen im wichtigen Bereich Sozialhilfe vereinen. Auch wegen diesen Kolleginnen und Kollegen macht es Freude, Präsident der SKOS sein zu dürfen!

Christoph Eymann, Präsident der SKOS