SKOS-Richtlinien 2021
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Fallzahlen-Monitoring Covid-19 August 2021: Stabiler Trend

Die Corona-Krise bedeutet weltweit und für die Schweiz den grössten wirtschaftlichen Einschnitt seit dem Zweiten Weltkrieg. Ihre wirtschaftlichen Auswirkungen gehen weit über jene der Finanzkrise 2008/2009 hinaus. Die Auswirkungen der Corona-Krise stellen damit eine grosse Herausforderung für das System der sozialen Sicherheit in der Schweiz dar. Die SKOS geht davon aus, dass sich die Sozialhilfe in mittlerer Zukunft auf einen starken Anstieg der Fallzahlen vorbereiten muss. Bis 2022 prognostiziert sie einen Zuwachs von 21,3 Prozentpunkten gegenüber 2019.

Die SKOS analysiert aufmerksam die Auswirkungen der Krise aus Sicht der Sozialhilfe und identifiziert die kurz- und mittelfristigen Herausforderungen. Mit Hilfe eines Monitorings beobachtet sie die Entwicklung der Fallzahlen.

Aktuelle Situation (Stand Ende August 2021)

Gesamtschweizerisch liegen die Fallzahlen Ende August 2021 leicht unter dem Niveau des Durchschnittsmonats 2019 bei 97,7 Prozentpunkten (PP). Gegenüber dem Vormonat Juli beträgt die Abnahme -0,8 PP1.

In der Zentralschweiz (-0,1 PP) und der Romandie (+0,1 PP) sind die Fallzahlen Ende August auf dem Niveau des Durchschnittsmonats im Jahr 2019. In der Ostschweiz (-2,7 PP), der Nordwestschweiz (-4,3 PP), und im Kanton Tessin (-6,9 PP) liegen sie hingegen unter dem Durchschnittsmonat 2019.

Der Jahresindex 2020 (100,6) ist vergleichbar mit dem Vorjahresindex (100).

Die Fallzahlen sind entgegen den ersten Befürchtungen während der Pandemie noch kaum gestiegen. Den Grund dafür sieht die SKOS einerseits in den vorgelagerten Sozialwerken (Taggelder ALV, Kurzarbeit, Corona-Erwerbsersatz), die während der Krise ausgebaut wurden. Andererseits gibt es viele Betroffene, die im Moment noch von ihren Reserven leben und auf den Bezug von Sozialhilfe verzichten, weil sie negative Folgen befürchten.

Bis Ende 2022 rechnet die SKOS mit einem deutlichen Anstieg der Fallzahlen in der Sozialhilfe um 21 Prozent gegenüber 2019 (vgl. Analyse Januar 2021).

1Die Differenz bezieht sich auf den bereinigten Vormonats-Wert.

Methode

In der aktuellen Corona-Krise besteht ein grosser Bedarf, gut abgestützte und zeitnahe Aussagen zur aktuellen Entwicklung der Fallzahlen machen zu können. Die bestehenden Auswertungen der Sozialhilfestatistik und der Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik werden jeweils im Nachfolgejahr erstellt und können dieses kurzfristige Informationsbedürfnis nicht bedienen. In Koordination mit dem Bundesamt für Statistik (BFS) realisiert die SKOS deshalb ein Monitoring zu den Fallzahlen in der Sozialhilfe. Die herangezogenen Vergleichsdaten beruhen auf bestehenden Reportings der Sozialdienste. Diese Reportings sind vergleichbar, stützten sich aber nicht immer auf die gleichen Definitionen ab. Die Vergleichbarkeit mit den Datenerhebungen des BFS kann nicht gewährleistet werden.

Die beteiligten kantonalen, regionalen und kommunalen Sozialdienste sind aus der ganzen Schweiz. Es sind alle Landesteile sowie städtische und ländliche Regionen vertreten. Die Repräsentativität im wissenschaftlichen Sinn ist eingeschränkt, da auf eine zufällige Auswahl der Sozialdienste verzichtet wurde. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden 58 Prozent der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz. Folgende Sozialdienste nehmen am Monitoring teil:

  • Ostschweiz: Gemeinde Herisau, Kanton Glarus, Stadt Chur, Stadt St. Gallen, Stadt Weinfelden, Stadt Winterthur, Stadt Zürich (repräsentieren 44,1 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Ostschweiz)
  • Nordwestschweiz: Gemeinde Klingnau, Gemeinde Seon, Gemeinde Reinach BL, Stadt Basel, Stadt Bern, Stadt Biel, Stadt Olten (repräsentieren 30,1 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Nordwestschweiz)
  • Tessin: Kanton Tessin (repräsentiert 100 Prozent der Sozialhilfebeziehenden des Kantons Tessin)
  • Suisse romande: Kanton Genf, Kanton Neuchâtel, Kanton Waadt**, Region Murten (repräsentieren 83,3 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Suisse romande). Die Angaben aus dem Kanton Wallis werden explorativ ins Monitoring einbezogen, da keine monatlichen Zahlen für das Jahr 2019 vorliegen.
  • Zentralschweiz: Bezirk Küssnacht, diverse Gemeinden des Kantons Zug (Baar, Burgergemeinden, Cham, Hünenberg, Menzingen, Oberägeri, Risch-Rotkreuz, Soziale Dienste Asyl Kanton Zug, Stadt Zug, Steinhausen Unterägeri), Gemeinde Sarnen, Gemeinde Ingenbohl, Kanton Nidwalden, Stadt Luzern (repräsentieren 40,4 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Zentralschweiz)

Es wird auf die aktiven Dossiers Bezug genommen (= Unterstützungseinheit mit Auszahlung im erfassten Monat).

Die SKOS berechnet mit den Fallzahlen die Veränderungen in Form eines Index. Der Basiswert 100 entspricht dem Durchschnittsmonat des Jahres 2019. Es werden ein nationaler Index sowie ein Vergleichsindex für die fünf Landesteile erstellt (Ostschweiz mit Zürich, Nordwestschweiz, Tessin, Westschweiz und Zentralschweiz). Die Indexe werden gewichtet und berechnet aufgrund des Anteils Sozialhilfebeziehender (Sozialhilfestatistik 2019). Die Gewichtung erfolgt sowohl innerhalb eines Landesteils als auch für die ganze Schweiz.

Treffen Daten von einzelnen Sozialdiensten mit Verzögerung ein, werden die Anpassungen rückwirkend integriert und im Folgemonat publiziert.

**Technische Effekte von Zahlungen im Juli und August werden im September bereinigt. Aktuell wird der vorläufige Durchschnitt der Monate Juli und August 2021 verwendet.

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