SKOS-Richtlinien 2021
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Fallzahlen-Monitoring Covid-19 Oktober 2021: Sinkender Trend

Die Corona-Krise bedeutet weltweit und für die Schweiz den grössten wirtschaftlichen Einschnitt seit dem 2. Weltkrieg. Ihre wirtschaftlichen Auswirkungen gehen weit über jene der Finanzkrise 2008/2009 hinaus. Die Auswirkungen der Corona-Krise stellen damit eine grosse Herausforderung für das System der sozialen Sicherheit in der Schweiz dar. Die SKOS geht davon aus, dass sich die Sozialhilfe in mittlerer Zukunft auf einen starken Anstieg der Fallzahlen vorbereiten muss. Bis 2023 prognostiziert sie einen Zuwachs von 13,8 Prozentpunkten gegenüber 2019.

Die SKOS analysiert aufmerksam die Auswirkungen der Krise aus Sicht der Sozialhilfe und identifiziert die kurz- und mittelfristigen Herausforderungen. Mit Hilfe eines Monitorings beobachtet sie die Entwicklung der Fallzahlen.

Aktuelle Situation (Stand Ende Oktober 2021)

Gesamtschweizerisch liegen die Fallzahlen Ende Oktober 2021 unter dem Niveau des Durchschnittsmonats 2019 bei 95,41 Prozentpunkten (PP). Gegenüber dem Vormonat September beträgt die Abnahme - 0,6 PP1.

In allen Regionen liegen die Fallzahlen unter dem Durchschnittsmonat 2019. In der Zentralschweiz 0,6 PP, in der Romandie 3,6 PP, in der Ostschweiz -4,6 PP, in der Nordwestschweiz -6,0 PP und im Kanton Tessin -8,3 PP.

Der Jahresindex 2020 (100,6) ist vergleichbar mit dem Vorjahresindex (100).

Die Fallzahlen sind entgegen den Befürchtungen während der Pandemie nicht gestiegen und sinken seit Sommer 2021 unter den Durchschnitt 2019. Den Grund dafür sieht die SKOS in den vorgelagerten Sozialwerken (Taggelder ALV, Kurzarbeit, Corona-Erwerbsersatz), die während der Krise ausgebaut wurden, und in der positiven wirtschaftlichen Entwicklung.

Es gibt aber viele Betroffene, die im Moment noch von ihren Reserven leben und auf den Bezug von Sozialhilfe verzichten, weil sie negative Folgen befürchten.

Bis Ende 2023 rechnet die SKOS weiterhin mit einem Anstieg der Fallzahlen in der Sozialhilfe um 13,8% gegenüber 2019 (vgl. Analyse Oktober 2021). Gründe für  den vermuteten Anstieg sind das Wegfallen der zusätzlichen Leistungen der vorgelagerten Systeme, die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen sowie der Anstieg von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen in den kantonalen und kommunalen Sozialdiensten.

Methode

In der aktuellen Corona-Krise besteht ein grosser Bedarf, gut abgestützte und zeitnahe Aussagen zur aktuellen Entwicklung der Fallzahlen machen zu können. Die bestehenden Auswertungen der Sozialhilfestatistik und der Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik werden jeweils im Nachfolgejahr erstellt und können dieses kurzfristige Informationsbedürfnis nicht bedienen. In Koordination mit dem Bundesamt für Statistik (BFS) realisiert die SKOS deshalb ein Monitoring zu den Fallzahlen in der Sozialhilfe. Die herangezogenen Vergleichsdaten beruhen auf bestehenden Reportings der Sozialdienste. Diese Reportings sind vergleichbar, stützten sich aber nicht immer auf die gleichen Definitionen ab. Die Vergleichbarkeit mit den Datenerhebungen des BFS kann nicht gewährleistet werden.

Die beteiligten kantonalen, regionalen und kommunalen Sozialdienste sind aus der ganzen Schweiz. Es sind alle Landesteile sowie städtische und ländliche Regionen vertreten. Die Repräsentativität im wissenschaftlichen Sinn ist eingeschränkt, da auf eine zufällige Auswahl der Sozialdienste verzichtet wurde. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden 58 Prozent der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz. Folgende Sozialdienste nehmen am Monitoring teil:

  • Ostschweiz: Gemeinde Herisau, Kanton Glarus, Stadt Chur, Stadt St. Gallen, Stadt Weinfelden, Stadt Winterthur, Stadt Zürich (repräsentieren 44,1 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Ostschweiz)
  • Nordwestschweiz: Gemeinde Klingnau, Gemeinde Seon, Gemeinde Reinach BL, Stadt Basel, Stadt Bern, Stadt Biel, Stadt Olten (repräsentieren 30,1 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Nordwestschweiz)
  • Tessin: Kanton Tessin (repräsentiert 100 Prozent der Sozialhilfebeziehenden des Kantons Tessin)
  • Suisse romande: Kanton Genf, Kanton Neuchâtel, Kanton Waadt**, Region Murten (repräsentieren 83,3 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Suisse romande). Die Angaben aus dem Kanton Wallis werden explorativ ins Monitoring einbezogen, da keine monatlichen Zahlen für das Jahr 2019 vorliegen.
  • Zentralschweiz: Bezirk Küssnacht, diverse Gemeinden des Kantons Zug (Baar, Burgergemeinden, Cham, Hünenberg, Menzingen, Oberägeri, Risch-Rotkreuz, Soziale Dienste Asyl Kanton Zug, Stadt Zug, Steinhausen Unterägeri), Gemeinde Sarnen, Gemeinde Ingenbohl, Kanton Nidwalden, Stadt Luzern (repräsentieren 40,4 Prozent der Sozialhilfebeziehenden der Zentralschweiz)

Es wird auf die aktiven Dossiers Bezug genommen (= Unterstützungseinheit mit Auszahlung im erfassten Monat).

Die SKOS berechnet mit den Fallzahlen die Veränderungen in Form eines Index. Der Basiswert 100 entspricht dem Durchschnittsmonat des Jahres 2019. Es werden ein nationaler Index sowie ein Vergleichsindex für die fünf Landesteile erstellt (Ostschweiz mit Zürich, Nordwestschweiz, Tessin, Westschweiz und Zentralschweiz). Die Indexe werden gewichtet und berechnet aufgrund des Anteils Sozialhilfebeziehender (Sozialhilfestatistik 2019). Die Gewichtung erfolgt sowohl innerhalb eines Landesteils als auch für die ganze Schweiz.

Treffen Daten von einzelnen Sozialdiensten mit Verzögerung ein, werden die Anpassungen rückwirkend integriert und im Folgemonat publiziert.

*   Daten für den Monat Oktober liegen noch nicht vor.
** Technische Effekte von Zahlungen im September und Oktober werden im November bereinigt. Aktuell wird der vorläufige Durchschnitt der Monate September und Oktober 2021 verwendet.

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