Ende Oktober hat die Städteinitiative Sozialpolitik den neuen Kennzahlenbericht zur Sozialhilfe in Schweizerstädten für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die Sozialhilfequote lag in den 14 Vergleichsstädten bei insgesamt 3,9 Prozent und blieb damit weitgehend stabil, wobei gegenüber dem Vorjahr ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Gleichzeitig stieg der Anteil an Einelternfamilien in der Sozialhilfe. Der Anteil der Kinder aus Einelternfamilien mit Sozialhilfe ist seit 2010 von 52 auf 59 Prozent gestiegen. Vor diesem Hintergrund widmet der diesjährige Bericht sein Fokuskapitel dem Thema «Alleinerziehende in der Sozialhilfe».
An der Untersuchung zum Fokusthema beteiligten sich neben den 14 Vergleichsstädten sechs weitere Städte aus der Romandie. Die Analyse zeigt, dass das Armutsrisiko von Einelternhaushalten in allen untersuchten Städten gegenüber anderen Haushaltstypen deutlich erhöht ist. In der Mehrheit der Städte bezieht rund ein Viertel oder mehr der Einelternhaushalte mit minderjährigen Kindern Sozialhilfe. Diese dient Alleinerziehenden häufig als wichtige Stütze zusätzlich zum Erwerbseinkommen, das für den Lebensunterhalt nicht ausreicht.
Die befragten städtischen Sozialdienste berichten von positiven Erfahrungen mit gezielten Unterstützungsmassnahmen. So zeigt besonders die in einigen Kantonen bestehende Familienergänzungsleistung Wirkung, indem sie einerseits das Sozialhilferisiko und andererseits die Bezugsdauer senkt. Handlungsbedarf sehen die Sozialdienste insbesondere bei Bildungs- und Qualifizierungsangeboten. Bildung kann den Weg aus der Sozialhilfe eröffnen. Für Alleinerziehende ist der Zugang zu Aus- und Weiterbildungen jedoch oft besonders schwierig. Der Bericht macht zudem deutlich, dass der Handlungsspielraum der Sozialdienste begrenzt ist. Um die Armutsgefährdung zu verringern und die Lebenssituation Alleinerziehender zu verbessern, braucht es neben sozialpolitischen Massnahmen auch Lösungen in der Familien-, Bildungs- und Wohnungspolitik.
Die Städteinitiative Sozialpolitik veröffentlicht seit 1999 einen Kennzahlenvergleich zur Sozialhilfe. Der aktuelle Standardteil umfasst 14 Schweizer Städte und wird vom Bundesamt für Statistik erstellt. Aufgrund der Modernisierung der Sozialhilfestatistik ist die Vergleichbarkeit einzelner Kennzahlen mit vorherigen Jahren teilweise eingeschränkt; die Daten sind daher mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren. Das Fokuskapitel «Alleinerziehende in der Sozialhilfe» wurde von Michelle Beyeler, Privatdozentin für Politikwissenschaften an der Universität Zürich und Co-Präsidentin der Sozialhilfekommission der SKOS, erarbeitet.
