Mit der Pilotdurchführung des Armutsmonitorings Solothurn liegen erstmals umfassende und kleinräumige Kennzahlen zur Armutslage im Kanton vor. Das BFH-/Caritas-Armutsmonitoring schliesst damit eine wichtige Datenlücke: Während nationale Statistiken nur begrenzt Aussagen für Kantone und Gemeinden zulassen und die Sozialhilfestatistik Armut primär über den Leistungsbezug erfasst, ermöglicht das Monitoring eine differenzierte Analyse der finanziellen Lage der Bevölkerung auf Kantons- und Gemeindeebene. Es schafft damit eine wichtige Grundlage für eine evidenzbasierte Armutspolitik.
Das von der BFH durchgeführte Monitoring zeigt, dass Armut auch im Kanton Solothurn eine relevante gesellschaftliche Realität ist und eine relevante gesellschaftliche Herausforderung darstellt. Im Jahr 2022, dem aktuellsten Jahr, für das nahezu vollständige Steuerdaten vorlagen, lebten über 10 000 Personen beziehungsweise 3.9 Prozent der untersuchten Bevölkerung unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Werden finanzielle Reserven berücksichtigt, sinkt die Armutsquote auf 2.6 Prozent. Gleichzeitig waren über 33 000 Personen beziehungsweise 12.6 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Neben den armutsbetroffenen Personen lebt somit eine deutlich grössere Gruppe in finanziell prekären Verhältnissen. Die ausgewiesenen Quoten sind zudem als untere Grenze der tatsächlichen Armutsbetroffenheit zu verstehen, da bestimmte besonders vulnerable Gruppen, wie Asylsuchende, Personen mit Kurzaufenthalt, Sans-Papiers oder obdachlose Personen, mit den verfügbaren Daten nicht oder nur eingeschränkt erfasst werden können.
