Sozialhilfe während Corona-Krise
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Monitoring Fallzahlen

Die Corona-Krise bedeutet weltweit und für die Schweiz den grössten wirtschaftlichen Einschnitt seit dem 2. Weltkrieg. Ihre wirtschaftlichen Auswirkungen gehen weit über jene der Finanzkrise 2008/2009 hinaus. Die Auswirkungen der Coronakrise stellen damit eine grosse Herausforderung für das System der sozialen Sicherheit in der Schweiz dar. Die SKOS geht davon aus, dass sich die Sozialhilfe in mittlerer Zukunft auf einen starken Anstieg der Fallzahlen vorbereiten muss. Bis 2022 prognostiziert sie einen Zuwachs von 28 %. (s.a. Analysepapier Herausforderungen für die Sozialhilfe).

Die SKOS analysiert aufmerksam die Auswirkungen der Krise aus Sicht der Sozialhilfe und identifiziert die kurz- und mittelfristigen Herausforderungen. Mit Hilfe eines Monitorings beobachtet sie die Entwicklung der Fallzahlen.

Aktuelle Situation (Stand Ende Mai 2020)

Gesamtschweizerisch ist in der Sozialhilfe seit März ein leichter Anstieg der Fallzahlen bemerkbar(+ 2.7 %). In der Romandie (+4.3%) und in der Zentralschweiz (+4.2 %) ist der Anstieg etwas deutlicher gegenüber dem Durchschnittsmonat im Jahr 2019. In den Regionen Nordwestschweiz (+0.9%), Ostschweiz (+0.6 %) und im Kanton Tessin (+2.3 %) ist er nur leicht feststellbar.

Die SKOS geht davon aus, dass sich der durch die Corona-Krise bedingte Anstieg erst nach einigen Monaten in der ganzen Schweiz bemerkbar machen wird.Im Moment wirken die Instrumente der Arbeitslosenversicherung (Kurzarbeit, verlängerter Taggeldbezug) und die Corona-Erwerbsersatzentschädigung. Zudem kann Sozialhilfe erst dann bezogen werden, wenn das Vermögen aufgebraucht ist.

Methode

In der aktuellen Coronakrise besteht ein grosser Bedarf, gut abgestützte und zeitnahe Aussagen zur aktuellen Entwicklung der Fallzahlen machen zu können. Die bestehenden Auswertungen der Sozialhilfestatistik und der Kennzahlenbericht der Städteinitiative Sozialpolitik werden jeweils im Nachfolgejahr erstellt und können dieses kurzfristige Informationsbedürfnis nicht bedienen. In Koordination mit dem Bundesamt für Statistik (BFS) realisiert die SKOS deshalb ein Monitoring zu den Fallzahlen in der Sozialhilfe. Die herangezogenen Vergleichsdaten beruhen auf bestehenden Reportings der Sozialdienste. Diese Reportings sind vergleichbar, stützten sich aber nicht immer auf die gleichen Definitionen ab. Die Übereinstimmung mit den Definitionen des BFS kann nicht gewährleistet werden.

Die beteiligten kantonalen, regionalen und kommunalen Sozialdienste sind aus der ganzen Schweiz. Es sind alle Landesteile sowie städtische und ländliche Regionen vertreten. Die Repräsentativität im wissenschaftlichen Sinn ist eingeschränkt, da auf eine zufällige Auswahl der Sozialdienste verzichtet wurde. Insgesamt repräsentieren die Teilnehmenden 57 % der Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz. Folgende Sozialdienste nehmen am Monitoring teil:

  • Ostschweiz: Gemeinde Herisau, Kanton Glarus, Stadt Chur, Stadt St. Gallen, Stadt Weinfelden, Stadt Winterthur, Stadt Zürich (repräsentieren 44.2 % der Sozialhilfebeziehenden der Ostschweiz)
  • Nordwestschweiz: Gemeinde Klingnau, Gemeinde Seon, Gemeinde Reinach BL*, Stadt Basel, Stadt Bern, Stadt Biel*, Stadt Olten (repräsentieren 30.1 % der Sozialhilfebeziehenden der Nordwestschweiz)
  • Tessin: Kanton Tessin (repräsentiert 100 % der Sozialhilfebeziehenden des Kantons Tessin)
  • Suisse romande: Kanton Genf, Kanton Neuchâtel, Kanton Waadt, Region Murten (repräsentieren 83.4 % der Sozialhilfebeziehenden der Suisse romande). Die Angaben aus dem Kanton Wallis werden explorativ ins Monitoring einbezogen, da keine monatlichen Zahlen für das Jahr 2019 vorliegen.
  • Zentralschweiz: Bezirk Küssnacht, diverse Gemeinden des Kantons Zug (Baar, Menzingen, Oberägeri, Risch-Rotkreuz, Soziale Dienste Asyl Kanton Zug, Stadt Zug, Unterägeri), Gemeinde Sarnen, Kanton Nidwalden, Stadt Luzern (repräsentieren 41.9 % der Sozialhilfebeziehenden der Zentralschweiz)

* Lieferung der Daten ist noch nicht / erst teilweise erfolgt.

Es wird auf die aktiven Dossiers Bezug genommen (= Unterstützungseinheit mit Auszahlung im erfassten Monat).

Die SKOS berechnet mit den Fallzahlen die Veränderungen in Form eines Index. Der Basiswert 100 entspricht dem Durchschnittsmonat des Jahres 2019. Es werden ein nationaler Index sowie ein Vergleichsindex für die fünf Landesteile erstellt (Ostschweiz mit Zürich, Nordwestschweiz, Tessin, Westschweiz und Zentralschweiz). Die Indexe werden gewichtet und berechnet aufgrund des Anteils Sozialhilfebeziehender (Sozialhilfestatistik 2018). Die Gewichtung erfolgt sowohl innerhalb eines Landesteils als auch für die ganze Schweiz.

Treffen Daten von einzelnen Sozialdiensten mit Verzögerung ein, werden die Anpassungen rückwirkend integriert und im Folgemonat publiziert.

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